Manche Felsen fallen plötzlich. Pfiat di, Mair Hans.
Manche Menschen hältst du für unerschütterlich.
Hans Mair war für mich so ein Mensch.
Und dann kommt eine Nachricht in der Nacht von Montag auf Dienstag, die eigentlich gar nicht in das Bild passen will, das man von diesem Menschen hat.
Hans ist tot.
Ich schreibe diesen Text und merke dabei, wie schwer mir die Worte fallen.
Vielleicht auch deshalb, weil ich bei Hans immer das Gefühl hatte, dass er noch lange da sein würde. Irgendwo. Im InnSide. Beim Fußballplatz. Bei einem Sportverein. Bei irgendeiner Diskussion, bei der er eine klare Meinung hatte. Bei einem Bier. Bei einer Feier. Oder einfach irgendwo in Schwaz.
Hans Mair war für mich ein Fels in der Brandung.
Jetzt fehlt dieser Fels.
Und das tut weh.
Beim Mair Hans wusste man, woran man war
Was mich an Hans immer fasziniert hat, war seine Geradlinigkeit.
Du wusstest bei ihm ziemlich schnell, woran du bist.
Hans hatte eine Haltung. Und diese Haltung hat er auch vertreten.
Er konnte damit anecken. Er konnte damit Diskussionen auslösen. Er konnte Dinge bremsen, bei denen andere schon längst Vollgas gegeben hätten. Gerade im Schwazer Fußball war das aus meiner Sicht eine seiner großen Stärken.
Er hatte ein riesiges Herz für den Fußball. Gleichzeitig hatte er ein sehr gutes Gespür dafür, dass ein Verein mehr ist als die Kampfmannschaft und das Ergebnis am Wochenende. Nachwuchsarbeit war ihm wichtig. Entwicklung war ihm wichtig. Und manchmal war eben auch eine ordentliche Bremse wichtig, wenn die Euphorie wieder einmal schneller war als die Realität.
Das ist eine Qualität, die selten geworden ist.
Eine Haltung zu haben, wenn alle applaudieren, ist einfach.
Eine Haltung zu behalten, wenn sie unbequem wird, braucht Charakter.
Hans hatte diesen Charakter.
Und er hatte seine ganz eigene Sportwelt.
Fußball sowieso. Bayern sowieso. Das musste man bei Hans vermutlich nicht lange erklären.
Aber auch Ringen, wo er selbst Spitzensportler war, American Football, Handball Tirol und viele andere Sportarten gehörten zu seiner Welt.
Unsere Handball Tirol Best-Ager-Mannschaft hat ihre Saisonabschlussfeiern irgendwann einfach ins InnSide verlagert. Das war irgendwie passend. Sportler unter sich. Hans mittendrin. Essen, Trinken, Geschichten, Blödsinn und vermutlich auch die eine oder andere Diskussion, bei der Hans eine ziemlich klare Meinung hatte.
So habe ich ihn erlebt.
Das InnSide war mehr als ein Café
Wenn heute über Hans gesprochen wird, wird wahrscheinlich sehr oft das InnSide fallen.
Zu Recht.
Aber für mich war das InnSide nie einfach nur ein Café.
Es ist ein Stück Schwaz. Und er hat es dazu gemacht.
Ein Treffpunkt für Sportler, Vereine, Schüler, Eltern, Funktionäre, Freunde und Menschen, die irgendwann einfach dazugehört haben.
Hans hat über zwei Jahrzehnte gemeinsam mit seiner Familie das InnSide geführt und sich gleichzeitig um das Regionale Sportzentrum gekümmert. Die Stadt Schwaz hat bei seinem Abschied 2024 ausdrücklich hervorgehoben, wie sorgfältig er das Sportzentrum übergeben hat.
Ich glaube, genau darin steckt viel von Hans.
Er hat sich darum gekümmert.
Er hat sie weiterentwickelt.
Und er hat sie irgendwann auch losgelassen.
Unser gemeinsamer Podcast ist für mich deshalb heute etwas ganz Besonderes.
Ich durfte Hans ein Jahr nach seinem Ruhestand vor das Mikrofon holen. Wir haben über Verantwortung gesprochen, über das Loslassen, über sein Leben nach dem InnSide und darüber, wie es sich anfühlt, plötzlich nicht mehr für alles zuständig zu sein. Die Folge dauert rund 33 Minuten.
Heute würde ich diese 33 Minuten am liebsten jedem schenken, der Hans vermisst.
Denn seine Stimme ist noch da.
Sein Lachen ist da.
Seine Art zu erzählen ist da.
Und vielleicht ist das gerade einer der schönsten Gedanken daran: Ein Teil von Hans kann noch einmal zu uns zurückkommen.
Du musst dafür nur auf Play drücken.
(Link zur Folge: Ein Jahr im Ruhestand vom Sportzentrum Schwaz: Hannes Mair über Verantwortung, Loslassen und Weitermachen)
Ich habe Hans auch als Familienmenschen erlebt
Hinter all dem Sport, dem InnSide und seiner Geradlinigkeit war Hans für mich vor allem eines: ein Familienmensch.
Einer, der seine Familie beschützt hat.
Einer, der auch Menschen zu seiner Familie gemacht hat, die ursprünglich gar nicht dazugehörten.
Du hast bei Hans dieses „Papa-Löwe“-Gen gespürt.
Wenn jemand zu seinen Leuten gehörte, dann gehörte er dazu.
Punkt.
Und dann wollte Hans für diese Menschen möglichst viel möglich machen. Vielleicht auch manches, was er selbst in seiner Kindheit vermisst hatte.
Das sagt für mich sehr viel über einen Menschen aus.
Und dann waren da die Schülerinnen und Schüler
Eine besondere Verbindung hatte Hans auch zu den Schülerinnen und Schülern des Paulinums.
Das Sportzentrum und das InnSide lagen direkt an dieser Welt aus Schule, Sport, Jugend und Bewegung. Hans war für viele junge Menschen eine bekannte Persönlichkeit.
Und ich habe seinen Umgang mit ihnen immer als besonders erlebt.
Geradlinig.
Ehrlich.
Manchmal wahrscheinlich auch mit einer Ansage.
Aber eben auf Augenhöhe.
Das passte zu Hans.
Er musste niemandem etwas vorspielen.
Und vielleicht ist genau das etwas, woran sich viele Menschen erinnern werden: Hans war einer, bei dem man nicht lange überlegen musste, welche Version von ihm man gerade vor sich hatte.
Vielleicht sind wir bei starken Menschen zu sorglos
„Fels in der Brandung.“
Ich habe diese Beschreibung irgendwo gelesen und sofort gedacht: Ja. Genau das war er.
Aber inzwischen beschäftigt mich ein anderer Gedanke.
Auch ein Fels kann unterspült werden.
Von außen sieht man das lange nicht.
Oben steht dieser Fels weiterhin da. Stark. Groß. Stabil.
Und irgendwann fällt er.
Vielleicht ist das eine der brutalsten Wahrheiten über starke Menschen:
Wir gewöhnen uns daran, dass sie tragen.
Wir gewöhnen uns daran, dass sie funktionieren.
Wir gewöhnen uns daran, dass sie immer da sind.
Und irgendwann vergessen wir, dass auch starke Menschen müde werden können. Dass auch sie Sorgen haben. Dass auch sie verletzlich sind. Dass auch sie jemanden brauchen, der fragt: „Wie geht es eigentlich dir?“
Ich weiß nicht, ob diese Gedanken zu Hans passen.
Vielleicht sind sie gerade auch einfach meine Gedanken, weil ich traurig bin.
Aber ich möchte sie trotzdem aufschreiben.
Denn Hans war für mich einer dieser Menschen, bei denen man automatisch dachte:
Der steht stabil.
Der macht das.
Der ist da.
Und jetzt ist er plötzlich nicht mehr da.
Was bleibt, wenn ein Mensch geht?
Es bleiben Geschichten.
Es bleiben Orte.
Es bleiben Erinnerungen.
Und es bleibt eine Stimme.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich unseren Podcast heute anders höre als damals.
Damals war es ein Gespräch mit einem Freund.
Heute ist es ein Stück Erinnerung.
Ich höre Hans erzählen und merke, wie wertvoll diese Aufzeichnung geworden ist.
Vielleicht geht es dir ähnlich.
Vielleicht sitzt jemand aus seiner Familie irgendwann da und möchte einfach noch einmal seine Stimme hören.
Vielleicht hört ein ehemaliger Fußballer die Folge.
Vielleicht jemand aus dem InnSide.
Vielleicht jemand vom Paulinum.
Vielleicht jemand aus einem der vielen Vereine.
Vielleicht einer von uns Best Agers.
Und plötzlich ist Hans für 33 Minuten wieder da.
Das ist ein Geschenk.
Servus Hans.
Ich könnte jetzt noch sehr viel über Hans schreiben.
Über Fußball.
Über das InnSide.
Über seine Geradlinigkeit.
Über all die Menschen, denen er Halt gegeben hat.
Aber am Ende bleibt für mich etwas viel Einfacheres.
Danke, Hans.
Danke für deine Freundschaft.
Danke für die vielen Begegnungen.
Danke für deine klare Art.
Danke für deine Haltung.
Danke für die gemeinsamen Stunden.
Und ganz besonders danke für unser Gespräch vor dem Mikrofon.
Ich werde diese Folge vermutlich noch sehr oft hören.
Und ich hoffe, dass auch andere Menschen sie hören werden.
Vielleicht mit einem Lächeln.
Vielleicht mit einem Tränchen.
Vielleicht mit einem „Geh, Hans …“.
Vielleicht einfach, weil sie seine Stimme noch einmal hören wollen.
Servus Hans.
Du wirst fehlen.
Sehr.
Und deiner Familie, deinen Freunden und allen Menschen, die dir nahestanden, wünsche ich für diese schwere Zeit viel Kraft.
Manche Felsen fallen.
Was sie hinterlassen, bleibt.



Ja …. der Hans …. ich bin einfach nur dankbar, dass ich ihn in seiner allerbesten Zeit erlebt habe und er mir so unzählige schöne Momente gegeben hat. An die erinnere ich mich. Immer und immer wieder. Und ich werde lachen, ich werde auch traurig sein, aber was bleibt ist der Gedanke an einen guten Freund! Danke Hans - danke Mike für deine Worte - ich hoffe, er findet da oben seinen Frieden!