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„Ich habe ihm immer mehr Geld angeboten. Das war der Fehler.“ - Mythos Motivation

Aktualisiert: 26. Juli

Meine liebe Kollegin Evelyn Wurster hat mich dazu eingeladen und MOTIVIERT, einen Blog Post zum Thema Motivation zu schreiben - und mit ist sofort was eingefallen, was mir gerade erst kürzlich als ein sehr schönes Beispiel dafür passiert ist.

Evelyn hat auch einen sehr schönen Post dazu verfasst, bitte hier entlang zu ihrem Beitrag!


"Der Mitarbeiter ist einfach nicht zu motivieren."

Diesen Satz höre ich erstaunlich oft.

Vor ein paar Wochen saß ich wieder bei einem Kunden.

Eigentlich wollten wir an der Organisation seines Betriebs arbeiten.

Nach wenigen Minuten landeten wir aber mitten in einem Führungsthema.


Der Geschäftsführer war frustriert.

Er hatte einen richtig guten Mitarbeiter.

Verlässlich, fachlich stark, bei den Kollegen geschätzt.

Und trotzdem hatte er das Gefühl, gegen eine Wand zu reden.


Er wollte, dass dieser Mitarbeiter mehr Verantwortung übernimmt.

Er wollte, dass er sich weiterbildet.

Dass er sein Wissen erweitert – und intern weitergibt.

Dass er mehr Gestaltung übernimmt.

Kurz gesagt: Er wollte einfach ein bisschen mehr – weil er mehr in ihm erkannte.


Also machte er das, was viele Führungskräfte machen.

Er bot ihm mehr Gehalt an.

Mehr Freizeit.

Mehr Freiheit.

Mehr Selbstständigkeit.

Mehr Entscheidungsspielraum.

Mehr Flexibilität.

Kurz gesagt:

Er verteilte Belohnungen, in Österreich sagen wir dazu gerne „Zuckerl“.

Und nichts davon funktionierte.

Die falsche Frage

Viele Führungskräfte stellen sich dieselbe Frage.

"Wie motiviere ich meine Mitarbeitenden?"

Ich glaube, diese Frage führt in die falsche Richtung.

Denn Motivation lässt sich nicht verteilen wie Zuckerln.

Sie entsteht.

Oder eben nicht.

Und genau in diesem Gespräch fiel mir eine Geschichte ein, die ich vor vielen Jahren gehört habe.

Die Geschichte von den drei Steineklopfern.


Drei Männer. Drei Antworten. Drei Welten.

Ein Reisender kommt an einer Baustelle vorbei.

Drei Männer schlagen mit dem Hammer auf große Steine ein.


Er fragt den ersten:

"Was machst du?"

Der antwortet:

"Ich klopfe Steine. Es ist anstrengend. Ich hoffe, der Tag ist bald vorbei."


Der zweite sagt:

"Ich verdiene Geld für meine Familie."


Der dritte lächelt.

Er schaut kurz auf die Baustelle und sagt:

"Ich baue eine Kathedrale."


Alle drei machen exakt dieselbe Arbeit.

Keiner der drei arbeitet gleich.


Der Unterschied heißt Sinn.

Die Geschichte ist über hundert Jahre alt.

Und trotzdem erklärt sie Motivation besser als viele Managementbücher.


Der erste arbeitet, weil er muss.

Der zweite arbeitet für den Lohn.


Der dritte arbeitet für etwas, das größer ist als er selbst.

Er kennt seinen Beitrag.

Er kennt den Sinn.

Er weiß, warum seine Arbeit wichtig ist.


Psychologen haben sich jahrzehntelang mit dieser Frage beschäftigt.

Immer wieder zeigt sich dasselbe, dass Menschen dauerhaft engagierter arbeiten, wenn drei Dinge erfüllt sind: Sie merken, dass sie etwas gut können, sie dürfen selbst Entscheidungen treffen und sie erkennen einen Sinn in ihrem Tun. Geld kann kurzfristig motivieren. Sinn trägt oft viel länger.


Mythos Motivation: Warum ein gutes WOFÜR alle Zuckerl schlägt
Mythos Motivation: Warum ein gutes WOFÜR alle Zuckerl schlägt


Die Augen des Chefs wurden plötzlich größer.

Während ich die Geschichte erzählte, wurde es ruhig.

Dann sagte der Geschäftsführer einen Satz, den ich mir gemerkt habe.

"Vielleicht habe ich ihm die ganze Zeit das Falsche angeboten."

Genau darum ging es.

Sein Denken war bisher einfach gewesen.


Du gibst mir mehr Leistung. Ich gebe dir mehr Zuckerl.

Jetzt entstand eine neue Idee.

Er wollte seinem Mitarbeiter zeigen, welchen Unterschied dessen Arbeit tatsächlich macht.

Warum gerade er für Kunden wichtig ist.

Warum seine Erfahrung im Team unverzichtbar ist.

Welche Rolle er für die Zukunft des Unternehmens spielt.

Welche Spuren seine Arbeit hinterlässt.


Wir haben gemeinsam Formulierungen entwickelt.

Gespräche vorbereitet.

Den Blick weg von den Belohnungen und hin zum Sinn gelenkt.


Zum Beispiel hat er folgenden Satz vorbereitet, statt (wie früher) zu sagen:

"Mach bitte diese Schulung."

sagte er:

"Wenn du dein Wissen weitergibst, müssen unsere jungen Mitarbeiter nicht dieselben Fehler machen wie wir früher."


Wirkt Wunder.

Ein paar Wochen später kam die schönste Rückmeldung.

Letzte Woche habe ich den Geschäftsführer wieder getroffen.

Er grinste schon von Weitem.

Sein erster Satz war:

"Mike ... es kommt gerade etwas in Bewegung."

Dann hat er gelacht.


"Der Mitarbeiter geht gerade auf wie eine Blume."

Ich liebe dieses Bild.

Denn Blumen kann man nicht anschreien.

Man zieht auch nicht an ihnen, damit sie schneller wachsen.

Man sorgt dafür, dass Licht da ist, Wasser, ein guter Boden.

Der Rest passiert von selbst.


Ich hab natürlich nachgefragt, was sich konkret bewegt:

  • „Auf einmal bringt der Mitarbeiter eigene Ideen ein,

  • er meldete sich freiwillig für Projekte,

  • er beginnt auch, die Lehrlinge einzuschulen.“


Menschen funktionieren erstaunlich ähnlich.

Ich glaube, viele Unternehmen verschwenden unglaublich viel Energie.

Sie diskutieren über Prämien.

Über Boni.

Über Dienstautos.

Über Arbeitszeiten.

Über Obstkörbe.

Über Zusatzleistungen.

Alles gut gemeint.

Alles kann helfen.

Aber oft bleibt die wichtigste Frage unbeantwortet.


"Wofür mache ich das eigentlich?"

Wenn Menschen diese Antwort für sich gefunden haben, verändert sich etwas.

Dann entsteht ein Gefühl, das viele mit Stolz beschreiben.

Ich finde, das ist das Gefühl, wenn man seine Verantwortung erfolgreich wahrgenommen hat. Wahrgenommen im Sinn von ich fühle, wie sich Verantwortung anfühlt und wie cool das ist, wenn meine Arbeit einem größeren Ganzen dient.

Dann wächst Motivation von innen.

Denn von diesem Gefühl will man von ganz allein mehr.

 

Mein Fazit: Motivation kommt vom WOFÜR

Wenn jemand in deinem Unternehmen scheinbar unmotiviert ist, stell dir eine andere Frage.

Vielleicht fehlt ihm keine Gehaltserhöhung.

Vielleicht fehlt ihm keine Weiterbildung.

Vielleicht fehlt ihm einfach das große Bild.


Denn Menschen wollen spüren, dass ihre Arbeit Bedeutung hat.

Sie möchten sehen, welchen Unterschied sie machen.

Sie möchten Teil von etwas sein, das bleibt.


Genau deshalb liebe ich die Geschichte der drei Steineklopfer.

Sie erinnert uns daran, dass Motivation nicht gekauft werden kann.

Sie wächst dort, wo Sinn entsteht.

Und manchmal reicht dafür ein einziges gutes Gespräch.


Was ist jetzt zu tun?

Frag heute einen Menschen in deinem Unternehmen:


"Was glaubst du eigentlich, wofür deine Arbeit hier wirklich wichtig ist?"

Vielleicht verändert die Antwort mehr als jede Gehaltserhöhung.

1 Kommentar

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Evelyn
23. Juli
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Danke für diesen tollen Beitrag, Mike! Die Steinklopfer- Geschichte ist so eingängig. Und noch schöner ist es, zu hören, wie Sie bei deinem Kunden Wirkung entfaltet hat!

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