Warum Du als Chef jeden Abend müde bist – obwohl du kaum etwas geschafft hast
Vielleicht hast du heute 80 Entscheidungen getroffen.
Und genau deshalb bist du jetzt fertig.
„Was soll ich dem Kunden anbieten?“
„Kann der Monteur das so machen?“
„Welches Material nehmen wir?“
„Wann fahren wir hin?“
„Was machen wir mit der Reklamation?“
„Darf ich das freigeben?“
„Chef, was soll ich tun?“
Und irgendwann sitzt du abends da und denkst:
Ich war den ganzen Tag beschäftigt.
Warum habe ich eigentlich so wenig weitergebracht?
Vielleicht bist du als Chef jeden Abend müde - und weißt nicht warum?
Vielleicht bist du gar nicht von der Arbeit müde.
Vielleicht bist du von den Entscheidungen müde.
Der Chef als Entscheidungsmaschine
Ich erlebe das immer wieder.
Ein Unternehmer kommt morgens in den Betrieb und hat eigentlich einen Plan.
Dann kommt der erste Mitarbeiter.
Eine Frage.
Entscheidung.
Der nächste Mitarbeiter.
Noch eine Frage.
Entscheidung.
Ein Kunde ruft an, eine WhatsApp von der Baustelle, eine Reklamation, eine Bestellung, ein Lieferant.
Und irgendwann landet selbst die Kleinigkeit beim Chef, die eigentlich gar keine
Entscheidung
wert wäre.
Wenn jede Kleinigkeit nach oben wandert, wird der Unternehmer zum Engpass seines eigenen Unternehmens.
Das Verrückte daran:
Oft ist der Chef sogar stolz darauf.
„Bei mir läuft halt alles zusammen.“
Ja.
Und irgendwann läuft alles über dich.

Ich habe einen Unternehmer erlebt, bei dem genau das passiert ist - er war als Chef jeden Abend müde
Der Chef war fachlich stark.
Er kannte seinen Betrieb, seine Kunden und seine Mitarbeiter.
Er wollte gute Arbeit abliefern.
Das Problem: Er musste gefühlt alles entscheiden.
Ein Mitarbeiter kam mit einer Frage.
Der Chef entschied.
Der nächste kam mit einer Frage.
Der Chef entschied.
Auf der Baustelle entstand ein Problem.
Der Chef entschied.
Und irgendwann warteten die Mitarbeiter auf ihn, obwohl sie vieles längst selbst hätten entscheiden können.
Die Mitarbeiter wurden vorsichtiger.
„Ich frag lieber den Chef.“
Der Chef wurde ungeduldiger.
„Warum könnt ihr das nicht selber entscheiden?“
Die Mitarbeiter wurden noch vorsichtiger.
Der Chef noch erschöpfter.
Ein perfekter Kreislauf.
Alle wollten es richtig machen.
Und genau deshalb wurde immer weniger selbst entschieden.
Die entscheidende Frage war plötzlich ganz einfach
Wir haben angefangen, die Entscheidungen anzuschauen.
Wer entscheidet eigentlich was?
Und plötzlich wurde sichtbar, was im Alltag untergegangen war.
Einige Entscheidungen gehörten eindeutig zum jeweiligen Arbeitsplatz.
Bei anderen fehlten klare Grenzen.
Und bei manchen musste tatsächlich der Chef entscheiden.
Aber es gab viel mehr Entscheidungen, die dort hätten getroffen werden können, wo das Problem entstanden ist.
Auf der Baustelle.
Beim Kunden.
Beim Mitarbeiter.
Dafür braucht es drei Dinge:
Klarheit, Kompetenz und Vertrauen.
Ein Mitarbeiter muss wissen, was er entscheiden darf, welche Informationen er dafür braucht und wann er den Chef fragen muss.
Dann passiert etwas Interessantes:
Der Chef bekommt weniger Fragen.
Die Mitarbeiter werden sicherer.
Kunden bekommen schneller Antworten.
Und der Unternehmer hat wieder den Kopf frei für die Dinge, für die er tatsächlich gebraucht wird.
Die teuerste Entscheidung ist manchmal die, die der Chef gar nicht treffen müsste
Eine meiner wichtigsten Fragen dabei ist:
„Warum muss diese Entscheidung eigentlich bei dir landen?“
Manchmal kommt darauf eine gute Antwort:
„Weil das wirklich meine Entscheidung ist.“
Perfekt.
Dann bleibt sie dort.
Manchmal kommt aber:
„Weil das schon immer so war.“
Aha.
Oder:
„Weil die Mitarbeiter sonst irgendwas machen.“
Dann fehlt vielleicht eine klare Regel.
Oder:
„Weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen.“
Dann fehlt Sicherheit.
Oder:
„Weil ich es schneller selber mache.“
Das ist der Klassiker.
Und gleichzeitig eine Falle.
Denn ja:
Selber machen ist kurzfristig oft schneller.
Bis du feststellst, dass du damit dafür sorgst, dass es beim nächsten Mal wieder bei dir landet.
„Ich mach das schnell.“
Ein anderer Unternehmer hat mir genau das einmal gezeigt.
Er war unglaublich schnell.
Probleme sah er sofort.
Lösungen hatte er meistens schon im Kopf.
Wenn irgendwo etwas klemmte, sagte er:
„Ich mach das schnell.“
Und er machte.
Sehr gut sogar.
Nur hatte sein Unternehmen dadurch ein Problem:
Die Mitarbeiter lernten, dass der Chef Probleme löst.
Der Chef lernte, dass die Mitarbeiter Probleme zu ihm bringen.
Beide Seiten hatten damit irgendwann ihre Gewohnheit.
Wir haben deshalb gemeinsam angeschaut:
Welche Entscheidungen müssen beim Chef bleiben?
Welche kann jemand anderes treffen?
Was braucht dieser Mensch dafür?
Was darf er selbst entscheiden?
Und wann muss er den Chef fragen?
Die schwierigste Frage war dabei:
Was passiert, wenn eine Entscheidung einmal falsch ist?
Denn wenn auf eine falsche Entscheidung sofort ein „Siehst du, ich hab's doch gewusst!“ folgt, wird beim nächsten Mal wieder gefragt.
Dann entsteht keine Verantwortung.
Dann entsteht Absicherung.
Du musst nicht überall die beste Entscheidung treffen
Ein guter Unternehmer muss nicht überall die beste Entscheidung treffen.
Er muss dafür sorgen, dass gute Entscheidungen dort getroffen werden können, wo sie gebraucht werden.
Der Monteur sieht die Baustelle.
Der Projektleiter kennt den Ablauf.
Die Mitarbeiterin kennt den Kunden.
Der Chef kennt die strategische Richtung.
Wenn jeder seinen Teil beitragen kann, wird aus vielen einzelnen Entscheidungen ein funktionierendes Unternehmen.
Und der Chef bekommt etwas zurück, das im Alltag unbezahlbar ist:
seinen Kopf.
Und dann passiert noch etwas
Wenn Verantwortung wirklich übergeben wird, verändert sich oft mehr als nur die Anzahl der Fragen.
Menschen wachsen.
Mitarbeiter beginnen mitzudenken.
Sie übernehmen Verantwortung.
Sie treffen Entscheidungen.
Und irgendwann kommt beim Chef der Moment:
„Verdammt. Die können das ja.“
Meine Antwort darauf ist meistens:
„Ja. Du musst sie nur lassen.“
Natürlich braucht das Führung, klare Ziele, Erwartungen, Feedback und Vertrauen.
Und manchmal die Bereitschaft, eine Entscheidung auszuhalten, die man selbst anders getroffen hätte.
Denn Führung bedeutet irgendwann auch:
Du musst nicht mehr überall Recht haben.
Du musst dafür sorgen, dass dein Unternehmen handlungsfähig bleibt.
Was ich dabei mache
Ich komme bei solchen Themen selten mit einem fertigen Organisationsmodell.
Ich stelle Fragen.
Welche Entscheidungen landen immer wieder bei dir?
Was könnte jemand anderes entscheiden?
Was braucht dieser Mensch, damit er es auch wirklich entscheiden kann?
Wo braucht es eine klare Grenze?
Und eine Frage, die ich besonders mag:
„Was wäre heute anders, wenn du morgen zwei Stunden weniger erreichbar wärst?“
Da wird es meistens interessant.
Denn dann sehen wir sehr schnell, wo ein Unternehmen tatsächlich von einer Person abhängig ist.
Und genau dort können wir anfangen.
Ich kann dir Entscheidungen nicht abnehmen.
Ich kann dir helfen, sichtbar zu machen, welche Entscheidungen du überhaupt noch treffen solltest.
Damit dein Team selbstständiger wird.
Damit dein Unternehmen handlungsfähiger wird.
Und damit du am Abend wieder müde bist, weil du etwas geschafft hast.
Und nicht, weil du den ganzen Tag für alle anderen entschieden hast.





Kommentare