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Wenn Augen funkeln - dann lügen sie nicht

Warum ich meinen Kindern nie geraten habe, einen „vernünftigen“ Beruf zu wählen.


Die vier Fuß-Paare unserer Kinder - das Foto stammt aus dem Jahr 2009 und schaut inzwischen anders aus... Schuhgröße 41-47
Die vier Fuß-Paare unserer Kinder - das Foto stammt aus dem Jahr 2009 und schaut inzwischen anders aus... Schuhgröße 41-47

Es gibt einen Moment, den kann man nicht spielen.

Er dauert vielleicht ein, zwei Sekunden.


Die Augen beginnen zu funkeln.


Jeder Mensch kennt diesen Moment.

Wenn jemand über etwas spricht, das er wirklich liebt.

Ich durfte diesen Moment in den vergangenen Jahren einige Male erleben.

Bei jedem unserer Kinder.

Und jedes Mal denke ich mir:

Genau darum geht es im Leben.

Nicht um Karriere.

Nicht um Titel.

Nicht um Prestige.

Es geht darum, etwas zu finden, bei dem du vergisst, auf die Uhr zu schauen.


"Was willst du wirklich, wirklich?"

Diese Frage stellte der Sozialphilosoph Frithjof Bergmann und er beschäftigte sich sein Leben lang mit der Frage, wie Menschen Arbeit finden, die sie wirklich erfüllt.

Für mich ist das bis heute eine der klügsten Fragen überhaupt.

Denn sie zwingt uns, ehrlich zu sein.

Ehrlich gegenüber uns selbst.


Simon. Wenn Kochen zur Sprache wird.

Unser Ältester Simon erzählt von Gerichten wie andere vom letzten Fußballspiel.

Seine Augen beginnen zu leuchten.


Nach der Zillertaler Tourismusschule zog es ihn hinaus.

Nach Wien, eine kulinarische China-Reise, danach Paris und dann sogar nach Uruguay.

Jetzt arbeitet er wieder in Wien im Sekki's im Hotel THE LEO GRAND (Reservieren!).


Jede Station war mehr als ein neuer Arbeitsplatz.

Sie war eine neue Schule.

Ein neuer Geschmack.

Eine neue Kultur.

Ein neues Stück Handwerk.

Wer ihn reden hört, merkt sofort:

Hier arbeitet keiner.

Hier lebt jemand seine Leidenschaft.

Hannah. Wenn Neugier stärker ist als Sicherheit.

Unsere Hannah schließt gerade zwei Studien in Wien ab.

Nebenbei bringt sie mit die.wut ein eigenes Magazin heraus.

Jetzt wurde sie an der Zürcher Hochschule der Künste aufgenommen und beginnt dort ihren Master in Kulturpublizistik.

Seit Jahren begeistert sie sich für Sprache, Magazine und Kultur – besonders für die österreichische Kulturszene.

Wenn Hannah über Magazine, Gestaltung und Sprache spricht, merkt man sofort: Genau dort gehört sie hin, da ist Feuer, da ist dieses Funkeln in den Augen.

Natürlich mischt sich Freude mit Wehmut.

Wien zurückzulassen bedeutet auch, viele Freundinnen und Freunde hinter sich zu lassen.

Und trotzdem geht sie.

Warum?

Weil ihre Neugier größer ist als ihre Angst.

Paul. Wenn Lernen zum Hobby wird.

Paul hat gerade seine Lehre als Mechatroniker mit Auszeichnung abgeschlossen.

Nebenbei Führerschein, eine Matura-Prüfung und das silberne Leistungsabzeichen der Musikschule.


Jetzt arbeitet er als Zivildiener bei der Lebenshilfe.

Mit Menschen.

Für Menschen.

Und während andere nach der Lehre erst einmal durchschnaufen würden, plant er bereits den nächsten Lehrabschluss in Elektrotechnik.


Seine Augen funkeln allerdings am meisten, wenn Pink Floyd läuft.

Dann verschwindet er irgendwo zwischen David Gilmours Gitarrensoli und seinen eigenen.


Emma. Wenn Theater mehr ist als Bühne.

Emma geht in die siebte Klasse des Paulinums, macht im kommenden Schuljahr die Matura, sie ist ausgezeichnet in der Schule.

Und trotzdem leuchten ihre Augen bei einem ganz anderen Thema.

Theater.

Sie spielt.

Sie arbeitet hinter der Bühne.

Sie macht auch mal die Technik.

Sie sitzt im Publikum.

Theater ist für sie kein Hobby.

Theater ist eine Welt.

Ich kenne dieses Gefühl.

Vielleicht verstehe ich sie deshalb so gut.


Und wir als Eltern?

Auch wir haben Glück.

Ihre Mama liebt ihre Arbeit.

Ich liebe meine.

Und vielleicht ist genau das das größte Geschenk, das Eltern ihren Kindern machen können.

Statt der perfekten Erziehung lieber vorzuleben, wie sich Begeisterung anfühlt.

Kinder hören selten auf das, was wir sagen.

Sie beobachten sehr genau, wie wir leben.


Die größte Lüge der Berufswahl

In Unternehmen höre ich oft:

"Die jungen Leute wollen nicht mehr arbeiten."

Ich glaube das nicht.

Ich glaube, viele junge Menschen wollen keine Arbeit, die ihnen jeden Montag Energie nimmt.

Sie wollen Sinn.

Entwicklung.

Verantwortung.

Menschen.

Lernen.


Genau das beschreibt Bergmann seit Jahrzehnten.

Menschen blühen dort auf, wo sie das tun dürfen, was sie wirklich, wirklich wollen.

Forscher haben über viele Jahre untersucht, wann Menschen gerne arbeiten.


Wenn Menschen diese drei Dinge erleben, arbeiten sie engagierter, kreativer und gesünder:

·         Ich darf mitentscheiden.

·         Ich kann etwas.

·         Ich gehöre dazu.

Ich sehe das nicht nur in Studien.

Ich sehe es jeden Tag.

Bei Kunden.

Bei Mitarbeitenden.

Und daheim.

Was das mit einfach.mike zu tun hat

Viele Menschen kommen zu mir, weil sie glauben, sie hätten ein Zeitproblem.

Oder ein Führungsproblem.

Oder ein Kommunikationsproblem.

Ganz oft entdecken wir gemeinsam etwas anderes.

Irgendwann ist die Antwort auf diese Frage im Alltag verloren gegangen.


Was will ich wirklich, wirklich?

Manchmal liegt die Antwort tief unter Erwartungen.

Unter Verantwortung.

Unter Gewohnheiten.

Unter Angst.

Meine Aufgabe besteht selten darin, Antworten zu liefern.

Ich helfe Menschen dabei, ihre eigenen Antworten wiederzufinden.

Wer weiß, wofür er morgens aufsteht, muss sich viel seltener zum Arbeiten zwingen.


Mein Fazit

Wenn ich heute sehe, wie Simon kocht.

Wie Hannah gestaltet.

Wie Paul lernt.

Wie Emma Theater lebt.

Dann freue ich mich nicht über Zeugnisse.

Nicht über Titel.

Ich freue mich über dieses Leuchten in ihren Augen.

Denn genau dort beginnt echte Leistung.

Nicht durch Druck.

Nicht durch Kontrolle.

Nicht durch Belohnung.

Sondern durch Begeisterung.


Vielleicht sollten wir unsere Kinder viel weniger oft fragen:

"Was willst du einmal werden?"

Und viel öfter:

"Wobei beginnen deine Augen zu funkeln?"

Denn genau dort liegt wahrscheinlich ihre Zukunft.

Und vielleicht auch unsere.

Was ist jetzt zu tun?

Wie lange ist es her, dass deine Augen zuletzt so geleuchtet haben?

Beantworte dir nur eine einzige Frage:

Was willst du wirklich, wirklich?

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