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Machiavelli im Büro: Wenn Führung durch Kontrolle statt Vertrauen (nicht) funktioniert

vor 11 Minuten
5 Min. Lesezeit

Du übernimmst ständig zusätzliche Aufgaben, weil niemand sonst Verantwortung übernimmt. Wichtige Informationen fehlen, Zuständigkeiten sind unklar und Entscheidungen bleiben an einer einzigen Person hängen.

Gute Mitarbeitende verlassen das Unternehmen, während die Verlässlichen immer mehr auffangen müssen.

Vielleicht kennst du so eine Situation aus deinem Unternehmen.


Vor Kurzem kam ein Klient mit genau diesem Problem ins Einzelcoaching. Er arbeitet in einem mittelgroßen Unternehmen, übernimmt gerne Verantwortung und kann schlecht zusehen, wenn Aufgaben liegen bleiben. Also springt er ein. Immer wieder.


Doch je mehr er auffängt, desto mehr bleibt an ihm hängen. Die eigentlichen Probleme lösen sich nicht. Neue Mitarbeitende werden schlecht eingearbeitet, Verantwortlichkeiten bleiben unklar und in mehreren Abteilungen herrscht Angst statt Vertrauen.


Das Problem ist nicht, dass einzelne Menschen zu wenig leisten.

Das Problem liegt darin, wie geführt und zusammengearbeitet wird.


Wenn Informationen zur Macht werden

In dem Unternehmen meines Klienten hält eine Führungskraft Informationen zurück und gibt sie nur gezielt weiter.

Entscheidungen laufen bei ihr zusammen.

Gleichzeitig beschwert sie sich darüber, dass ihre Mitarbeitenden zu wenig selbst entscheiden.

So entsteht ein Kreislauf: Die Mitarbeitenden bekommen wenig Spielraum, werden dadurch unsicher und entscheiden immer weniger selbst. Die Führungskraft sieht sich bestätigt und kontrolliert noch mehr.


Wer sich dagegen wehrt, riskiert Konflikte.

Wer schweigt, muss mit den Folgen leben.

Manche ziehen sich zurück, andere übernehmen immer mehr.

Und die wirklich guten Mitarbeitenden suchen sich irgendwann einen anderen Arbeitsplatz.


Dieses Verhalten erinnert an einen Gedanken des italienischen Staatsphilosophen Niccolò Machiavelli.

Um 1513 schrieb er das Buch Der Fürst.

Darin beschäftigte er sich damit, wie Herrscher ihre Macht sichern. Ein bekanntes Prinzip lautet „Teile und herrsche“:

Wenn Menschen gegeneinander arbeiten, fällt es ihnen schwerer, gemeinsam etwas zu verändern.


Machiavelli selbst warnte allerdings auch davor, Streit absichtlich am Leben zu halten.

Denn Konflikte können sich irgendwann gegen diejenigen richten, die sie fördern.


Im Büro zeigt sich das zum Beispiel, wenn Informationen nur an einzelne Personen weitergegeben werden, Kolleginnen und Kollegen gegeneinander ausgespielt werden oder alle Entscheidungen über eine einzige Führungskraft laufen.


Das hat nicht zwingend etwas mit Alter, Geschlecht oder Herkunft zu tun. Auch Frauen und jüngere Führungskräfte können so handeln.

Entscheidend ist, wie Macht eingesetzt wird: um andere kleinzuhalten oder um gemeinsam gute Arbeit zu ermöglichen.


Was kannst du tun, wenn du in so einer Situation steckst?

Du kannst nicht allein die gesamte Führungskultur eines Unternehmens verändern. Aber du kannst deine Handlungsmöglichkeiten verbessern.


1. Stärke die Zusammenarbeit mit deinen Kolleginnen und Kollegen

Lass dich nicht dazu verleiten, andere als Konkurrenz zu betrachten.

Tausche dich aus, teile Informationen und kläre Zuständigkeiten gemeinsam, soweit das möglich ist.

Vermeide es, über Kolleginnen und Kollegen zu lästern. In einem angespannten Umfeld können solche Aussagen schnell gegen Menschen verwendet werden.

Wichtig ist dabei: Teile Informationen offen, solange das mit deinen Aufgaben, dem Datenschutz und den Regeln des Unternehmens vereinbar ist.

Du musst dich nicht an einem Machtspiel beteiligen, um deinen eigenen Handlungsspielraum zu schützen.


2. Schütze dich durch klare Absprachen

Wenn Aufgaben oder Erwartungen unklar sind, frage konkret nach:

  • Was genau soll ich übernehmen?

  • Welche Aufgabe hat Vorrang?

  • Wer entscheidet, wenn es unterschiedliche Meinungen gibt?

  • Was kann warten, wenn ich bereits ausgelastet bin?

Halte wichtige Vereinbarungen schriftlich fest. Eine kurze E-Mail nach einem Gespräch reicht oft aus: „Wie besprochen, übernehme ich Aufgabe A bis Freitag. Aufgabe B kann ich deshalb erst nächste Woche erledigen.“


So werden Erwartungen nachvollziehbar, und du musst nicht ständig versuchen, dich an unterschiedliche Aussagen zu erinnern.

Bleib in schwierigen Gesprächen möglichst sachlich und beschreibe konkrete Situationen. Du musst deine Gefühle dabei nicht verleugnen.

Es hilft aber, klar zwischen dem zu unterscheiden, was passiert ist, und deiner Einschätzung, warum es passiert ist.


3. Suche dir Unterstützung, wenn sich nichts verändert

Wenn die Situation deine Arbeit oder deine Gesundheit belastet, musst du sie nicht allein lösen.

Sprich mit einer Vertrauensperson, einer anderen Führungskraft oder – wenn es in deinem Unternehmen eine passende Anlaufstelle gibt – dem Betriebsrat oder der Personalabteilung.


Notiere dir wichtige Vorfälle sachlich:

Was ist passiert?

Wann war es?

Wer war dabei?

Welche Auswirkungen hatte es auf deine Arbeit?


Solche Aufzeichnungen können helfen, konkrete Beispiele zu nennen, wenn du Unterstützung suchst oder ein offizielles Gespräch führen musst.


Und noch etwas: Du bist nicht dafür verantwortlich, dauerhaft die Aufgaben aufzufangen, die durch schlechte Organisation oder unklare Führung liegen bleiben. Verantwortung zu übernehmen ist eine Stärke. Sie darf aber nicht dazu führen, dass du dich selbst überlastest.


Was du als Führungskraft aus Machiavellis "Fürst" lernen kannst

Vielleicht erkennst du dich nicht in der Rolle des überlasteten Mitarbeitenden wieder, sondern in der der Führungskraft.

Dann lohnt sich eine ehrliche Frage:

Halte ich Informationen oder Entscheidungen manchmal zurück, weil ich dadurch die Kontrolle behalte?

Das passiert nicht immer aus böser Absicht.

Manchmal steckt Unsicherheit dahinter.

Wer alles selbst entscheidet, fühlt sich vielleicht unentbehrlich und glaubt, damit für Ordnung zu sorgen.


Doch wenn Mitarbeitende nicht wissen, was sie entscheiden dürfen, werden sie abhängig.

Wenn Fehler bestraft werden, sprechen sie Probleme später oder gar nicht an.

Und wenn gute Leute dauerhaft zu wenig Verantwortung übernehmen dürfen, suchen sie sich irgendwann ein Umfeld, in dem sie sich entwickeln können.


Bessere Führung beginnt oft mit einfachen Veränderungen:

  • Kläre, wer für welche Aufgaben verantwortlich ist.

  • Teile Informationen, die andere für ihre Arbeit brauchen.

  • Erkläre Entscheidungen, statt sie nur vorzugeben.

  • Lass Mitarbeitende eigene Lösungen entwickeln.

  • Sprich Probleme früh an, bevor Frust und Rückzug entstehen.


Du musst nicht jede Entscheidung abgeben. Aber du solltest wissen, welche Entscheidungen wirklich bei dir liegen müssen – und wo du anderen vertrauen kannst.


Machiavelli im Büro - Wenn Führung durch Kontrolle statt Vertrauen (nicht) funktioniert
Machiavelli im Büro - Wenn Führung durch Kontrolle statt Vertrauen (nicht) funktioniert

Wie einfach.mike dich dabei unterstützen kann

Ob du selbst unter schwieriger Führung leidest oder als Führungskraft merkst, dass Zusammenarbeit nicht so funktioniert, wie sie sollte: Der erste Schritt ist, die Situation genauer anzuschauen.


Im Einzelcoaching und als Sparringspartner helfe ich dir, schwierige Situationen zu sortieren, deine Handlungsmöglichkeiten zu erkennen und konkrete nächste Schritte zu entwickeln.

In moderierten Teamgesprächen klären wir, welche Erwartungen unausgesprochen bleiben, wo Zuständigkeiten fehlen und was die Zusammenarbeit erschwert. In Führungskräfte-Trainings geht es darum, Verantwortung sinnvoll zu verteilen, offen zu kommunizieren und neue Mitarbeitende von Anfang an gut einzubinden.


Denn ein Unternehmen wird nicht stärker, wenn alles von einer Person abhängt. Es wird stärker, wenn Menschen wissen, was von ihnen erwartet wird, Verantwortung übernehmen können und Probleme ansprechen dürfen.


Machiavelli beschäftigte sich mit Herrschern, die ihre Macht sichern wollten. Für Unternehmen stellt sich heute eine andere Frage:

Nutzen wir Macht, um alles unter Kontrolle zu halten – oder schaffen wir damit die Voraussetzungen, dass andere gute Arbeit leisten können?


Wenn du deine Situation verändern möchtest, lass uns darüber sprechen. Es gibt leider noch viele Machiavellis in Führungspositionen...

In einem ersten Gespräch klären wir, wo du gerade stehst und ob ich dich dabei unterstützen kann.


Schreib mir einfach: mike@einfachmike.at oder ruf kurz an: +436706010650

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