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„Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“ Oscar Wilde


Oder: Warum Viele genau fünf Minuten vor dem Durchbruch aufgeben.

Es gibt Sprüche, die hängen irgendwo auf einer Postkarte, werden auf Instagram geteilt und verschwinden wieder im digitalen Nirwana.


Und dann gibt es Sätze, die bleiben.

„Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“

Der Satz wird meistens Oscar Wilde zugeschrieben. Ob er ihn tatsächlich gesagt hat, darüber streiten sich die Quellen. Ehrlich gesagt ist mir das ziemlich egal.

Weil der Gedanke dahinter viel wichtiger ist.

Und weil ich in meinem Leben inzwischen oft genug erlebt habe, wie wahr dieser Satz sein kann.


Ein Problem unserer Zeit

Wir leben in einer Welt, die Geschwindigkeit mit Erfolg verwechselt.

Jeder soll sofort Ergebnisse liefern.

Sofort wachsen, erfolgreich sein.

Sofort glücklich werden.


Wenn das nicht innerhalb von drei Wochen funktioniert, wird das Projekt beendet, die Strategie geändert oder gleich alles hingeworfen.

Dabei passieren die wirklich wichtigen Dinge fast nie sofort.

Eine gute Beziehung entsteht nicht sofort.

Vertrauen entsteht nicht sofort.

Ein gutes Miteinander im Unternehmen entsteht nicht sofort.

Ein erfolgreiches Unternehmen entsteht nicht sofort.

Und persönliche Entwicklung schon gar nicht.


Trotzdem benehmen wir uns oft so, als wäre jede Verzögerung ein Beweis für das Scheitern.


Der Moment, in dem es unangenehm wird

Ich erlebe das regelmäßig in Unternehmen.

Da werden neue Prozesse eingeführt.

Neue Führungsprinzipien vereinbart.

Neue Strategien beschlossen.

Und nach drei Monaten kommt die Frage:

„Warum ist noch nicht alles besser?“

Weil drei Monate nichts sind.

Gar nichts.

Ihr habt jahrelang Probleme aufgebaut.

Jetzt gebt euch wenigstens ein bisschen Zeit, sie wieder loszuwerden.

Menschen unterschätzen regelmäßig, wie lange Veränderung braucht.

Und überschätzen gleichzeitig, was in kurzer Zeit möglich ist.


Das Ergebnis?

Frustration.

Ungeduld.

Aktionismus.

Und oft genau die Entscheidungen, die alles wieder zurückwerfen.


Der Besuch der alten Dame

Vor wenigen Monaten standen wir mitten in den Proben zu „Der Besuch der alten Dame“.

Wochen voller Textlernen, Proben, Änderungen und Zweifel.


Es gab Momente, da dachte ich:

„Das wird niemals funktionieren.“

Es gab Szenen, die nicht liefen.

Abläufe, die holprig waren.

Texte, die noch nicht saßen.


Und trotzdem standen wir am Ende vor 15 ausverkauften Vorstellungen.

Am Ende eine sehr erfolgreiche Produktion – mit Zusatzvorstellungen und Wiederaufnahme im Herbst.


Wäre man nach der fünften Probe ausgestiegen, hätte man dieses Ende nie erlebt.

Man hätte das Unfertige für das Endergebnis gehalten.

Genau das machen viele Menschen mit ihrem Leben.


Ein Fehler, den ich oft beobachte

Menschen verwechseln Zwischenstände mit Endständen.

Eine Mitarbeiterin entwickelt sich langsamer als erwartet.

Ein Team liefert noch nicht die gewünschten Ergebnisse.

Ein Projekt kämpft mit Problemen.

Also wird sofort korrigiert.

Kontrolliert.

Druck aufgebaut.

Manchmal sogar abgebrochen.

Dabei steckt Entwicklung oft genau in der Phase, in der sie von außen noch gar nicht sichtbar ist.


Wie ein Bambus.

Jahrelang passiert scheinbar nichts.

Dann schießt er innerhalb kurzer Zeit meterhoch aus dem Boden.

War er vorher erfolglos?

Nein.

Er hat Wurzeln gebaut.


Der entscheidende Unterschied

Viele Ziele scheitern nicht.

Sie werden aufgegeben.

Das ist ein Unterschied.

Menschen erzählen sich gerne Geschichten.

„Es hat nicht funktioniert.“
„Der Markt war schuld.“
„Die Mitarbeitenden waren schuld.“
„Die Rahmenbedingungen waren schuld.“

Manchmal stimmt das.

Oft stimmt etwas anderes:

Man hat aufgehört.

Zu früh.

Zu oft.

Zu leicht.


Warum Geduld manchmal wichtiger ist als Aktion

Jetzt kommt der Teil, den viele besonders schwer akzeptieren.

Manche Dinge brauchen keine zusätzliche Aktivität.

Sie brauchen Zeit.


Als Kind habe ich oft die Uhr beobachtet, wenn ich auf etwas gewartet habe. Die Zeiger bewegten sich kaum. Und trotzdem habe ich irgendwann gemerkt: Wenn ich nicht ständig hinschaue, geht es weiter – und das, worauf ich gewartet habe, kommt näher.


Wer jeden Tag am frischen Gras zieht, damit es schneller wächst, wird keinen Rasen bekommen.

Wer jeden Tag die Strategie neu schreibt, weil die alte noch keine Wunder bewirkt hat, wird ebenfalls keine Ergebnisse ernten.


Geduld steht nicht für Passivität, sie ist aktives Vertrauen.

Vertrauen in den Prozess, in die Arbeit, in die Menschen.

Vertrauen in das Ziel.


Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende - Oscar Wilde im einfach.mike visual

Mein Fazit: Am Ende wird alles gut.

Vielleicht bist du gerade an einem Punkt, an dem sich etwas schwer anfühlt.

Ein Projekt.

Ein Unternehmen.

Eine Beziehung.

Eine Entscheidung.

Ein persönliches Ziel.

Vielleicht hast du das Gefühl, dass sich nichts bewegt.

Vielleicht glaubst du sogar, dass es gescheitert ist.


Dann stell dir eine einfache Frage:

Ist das wirklich das Ende?

Oder befindest du dich nur mitten in der Geschichte?

Die meisten Menschen hören genau dort auf, wo die spannendsten Kapitel beginnen.

Und genau deshalb erleben sie nie, wie die Geschichte ausgeht.


Am Ende wird alles gut.
Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

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