„Ich freue mich, wenn es regnet. Weil, wenn ich mich nicht freue, regnet's auch.“ (Karl Valentin)
- einfach.mike

- 1. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Warum Karl Valentin wahrscheinlich mehr über Führung, Beratung und das Leben wusste als viele Business-Gurus.
Je älter ich werde, desto wahrer erscheint mir dieser Satz:
Viele Dinge, über die wir uns täglich aufregen, können wir gar nicht beeinflussen.
Und trotzdem investieren wir einen Großteil unserer Energie genau dort.
Das Wetter. Die Politik. Die Wirtschaft. Die anderen.
In Unternehmen begegnet mir das ständig.
Die Wirtschaftslage.
Der Markt.
Der Fachkräftemangel.
…
Es gibt ganze Meetings, die ausschließlich aus Dingen bestehen, die niemand im Raum verändern kann.
Nach zwei Stunden gehen alle wieder hinaus.
Die Probleme sind noch da.
Die Energie ist weg.
Für dieses Phänomen gibt es sogar ein einfaches Modell.
Stephen Covey beschreibt in seinem Buch „The 7 Habits of Highly Effective People“ zwei Kreise.
Der erste Kreis ist der „Circle of Concern“.
Dort liegen alle Themen, die uns beschäftigen:
Das Wetter
Die Weltpolitik
Die Entscheidungen anderer Menschen
Der zweite Kreis, der „Circle of Influence“, ist kleiner und dort liegen die Dinge, die wir tatsächlich beeinflussen können.
Unser Verhalten.
Unsere Entscheidungen.
Unsere Reaktion auf das, was passiert.
Die spannende Beobachtung:
Menschen, die etwas verändern wollen, konzentrieren sich meist stärker auf ihren Einflussbereich. Dadurch können sie mehr bewegen.
Menschen, die sich stark mit äußeren Umständen beschäftigen, kommen dagegen viel schwerer ins konkrete Handeln.
Der Satz eines Kunden
Vor einiger Zeit saß ich mit einem Chef eines Familienbetriebs zusammen.
Die Auftragslage war schwierig.
Der Markt angespannt.
Die Stimmung im Unternehmen durchwachsen.
Er erklärte mir eine halbe Stunde lang, warum die Situation so schwierig sei.
Dann hab ich ihn gefragt:
„Was davon kannst du beeinflussen?“
Damit wurde es still.
Sehr still.
Ich hab ihn gebeten, alles aufzuschreiben, was er tatsächlich beeinflussen kann.
Am Ende blieb eine überraschend kurze Liste übrig.
Plötzlich gab es wieder konkrete nächste Schritte.
Entscheidungen wurden getroffen.
Gespräche wurden geführt.
Plötzlich entstand wieder Zuversicht.
Gute Beratung hilft oft dabei, wieder auf die Dinge zu schauen, die tatsächlich beeinflussbar sind.
Viele glauben, Beratung bedeutet Antworten liefern.
Ich glaube das nicht.
Beratung bedeutet oft, die richtigen Fragen zu stellen.
Zum Beispiel:
Worüber reden wir hier eigentlich?
Welche Probleme lösen wir gerade?
Welche davon können wir beeinflussen?
Welche davon beschäftigen uns nur?
Das klingt banal.
Ist es aber nicht.
Denn viele Unternehmen verlieren unfassbar viel Energie in Themen, die komplett außerhalb ihrer Reichweite liegen.
Warum ich Karl Valentin mag
Weil sein Satz keinen Optimismus verkauft.
Er sagt nicht:
„Freu dich über alles.“
Er sagt:
„Der Regen kommt sowieso.“
Und genau darin steckt die Größe.
Akzeptanz bedeutet eben nicht Aufgeben.
Akzeptanz gibt mir die Möglichkeit, wieder ins Handeln zu kommen.
Der Regen hört nicht auf, weil wir schimpfen.
Die Wirtschaft erholt sich nicht, weil wir jammern.
Der schwierige Mitarbeiter verändert sich nicht durch Beschwerden im Führungsteam.
Eine persönliche Geschichte
Vor vielen Jahren hatte ich (wieder einmal!) gleichzeitig mehrere große „Dinge“ laufen.
Projekte, Workshops, Theater, Familie, Ehrenamt.
Dazu kamen ein paar Themen, die überhaupt nicht nach Plan liefen.
Ich erinnere mich an einen Abend, an dem ich gefühlt zwanzig Probleme gleichzeitig lösen wollte.
Keines davon wurde auch nur irgendwie besser.
Irgendwann setzte ich mich hin und schrieb zwei Listen.
Liste eins: Alles, was mich beschäftigt.
Liste zwei: Alles, was ich morgen tatsächlich beeinflussen kann.
Die zweite Liste war erschreckend kurz.
Aber sie war wirksam.
Und genau darum geht es.

Der vielleicht wichtigste Beratungsgrundsatz überhaupt
Viele Menschen suchen Lösungen.
Oft brauchen sie zuerst Klarheit.
Die Frage lautet:
„Worauf verwende ich meine Energie?“
Denn Energie ist begrenzt.
Aufmerksamkeit ist begrenzt.
Zeit ist begrenzt.
Deshalb ist die wichtigste Entscheidung oft nicht, was wir tun.
Sondern womit wir aufhören.
Mein Fazit
Karl Valentin hat mit einem einzigen Satz eine Management-Lektion formuliert, für die heute ganze Seminare verkauft werden.
Der Regen kommt.
Die Frage ist nicht, ob er kommt.
Die Frage ist, was du währenddessen tust.
Du kannst jammern.
Du kannst warten.
Du kannst Schuldige suchen.
Oder du kannst dich um die Dinge kümmern, die tatsächlich in deiner Hand liegen.
Genau dort beginnt Wirkung.
Genau dort beginnt Verantwortung.
Genau dort beginnt Veränderung.
Und genau dort beginnt meistens auch gute Beratung.
Weil man ein Unternehmen oft erst dann wirklich weiterbringt, wenn man aufhört, über 'das Wetter' zu reden.




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