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Über Krisen, Menschlichkeit und warum genau dort Sinn entsteht: Krisenintervention

„Warum ich mir das antue?“


Vor mehr als 30 Jahren war ich Zivildiener beim Roten Kreuz in Schwaz.

Danach noch als Freiwilliger, Ortsstelle Achensee, Blaulicht, Nachtdienste.

Menschen, die Hilfe brauchten.

Menschen, die Angst hatten.

Menschen, die plötzlich alleine dastanden.


August 1995 - nach 11 Monaten Zivildienst durften wir zum Abschied die RK-Fahne schwenken
August 1995 - nach 11 Monaten Zivildienst durften wir zum Abschied die RK-Fahne schwenken (ja, das bin ich!)

Dann kam Wien. Job. Karriere. Projekte. Swaro. Theater. Beratung. einfach.mike.

Und trotzdem war das Thema „Helfen“ nie weg.


Seit Oktober saß ich wieder in Ausbildungsräumen des Roten Kreuzes Tirol.

Acht Wochenenden lang: Theorie, Praxis, Fallbeispiele, Emotionen.

Um ins Kriseninterventionsteam Bezirk Schwaz aufgenommen zu werden.


Das war eine der sinnvollsten Entscheidungen meines Lebens.

Denn irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem man merkt:

Es geht nicht mehr nur darum, erfolgreich zu sein.

Es geht darum, nützlich zu sein.


Wir leben in einer Zeit voller Selbstoptimierung.

Aber viel zu wenig Menschen fragen sich:

„Wofür eigentlich?“

Mehr Umsatz, mehr Reichweite, mehr Sichtbarkeit, Skalierung.

Die Welt ist voll von Leuten, die erklären, wie du mehr aus dir rausholst.

Aber erstaunlich wenige reden darüber, was du zurückgeben kannst.


Ich hatte in meinem Leben wirklich oft und viel Glück.

Gesund, Chancen im Beruf, Menschen, die mich begleiten, meine Familie.

Und irgendwann entsteht daraus auch Verantwortung.


Deshalb engagiere ich mich heute im Kriseninterventionsteam.

Weil ich da etwas beitragen kann.

Mit meiner Zeit, mit meiner Ruhe, mit meiner Erfahrung und mit meiner Präsenz.

Und genau die brauchen Menschen in den schlimmsten Stunden ihres Lebens.


Noch angespannt: nach dem schriftlichen Teil, aber vor den beiden mündlichen Fallbeispielen...
Noch angespannt: nach dem schriftlichen Teil, aber vor den beiden mündlichen Fallbeispielen...

Krisenintervention hat nichts mit „coole Blaulicht-Story“ zu tun.

Es ist Menschlichkeit im Ausnahmezustand.

Viele glauben beim Roten Kreuz zuerst an Rettungsautos, an Martinshorn, an Action.

Krisenintervention ist das Gegenteil davon.


Da sitzt du plötzlich bei Angehörigen nach einem Todesfall.

Bei Familien nach schweren Unfällen.

Bei Personen, deren Welt gerade komplett auseinanderbricht.


Da merkst du ganz schnell:

Du musst und kannst nicht alles lösen, du musst da sein.


Das Österreichische Rote Kreuz beschreibt Krisenintervention als psychosoziale Unterstützung nach akut traumatischen Ereignissen.

Ziel ist Stabilisierung, Orientierung und die Wiedergewinnung von Handlungsfähigkeit.

Das klingt auf Webseiten sachlich.

In echt ist es zutiefst menschlich.

Diese Ausbildung verdient maximalen Respekt.

Nach der theoretischen Prüfung beginnt jetzt der Praxisteil.

Erst danach gehen wir 'alleine', aber immer zu zweit in Einsätze.


Die Vortragenden und Gestalter dieser Ausbildung verdienen größte Hochachtung.

Das war keine Alibi-Schulung.

Das war praxisnah, intensiv, emotional und fachlich extrem stark aufgebaut.


Die erfahrenen Vortragenden haben Situationen geschildert, die du nie vergisst.

Weil sie echt waren und weil sie zeigen, wie fragil Leben manchmal ist.

Und gleichzeitig geben sie dir Sicherheit.


Nicht die Sicherheit, alles perfekt zu machen.

Die gibt es dort nicht.

Aber die Sicherheit, Menschen in ihrer Krise professionell begegnen zu können.


Theoretische Prüfung bestanden!
Theoretische Prüfung bestanden!

Ausbildung lebt von Menschen.

Und diese Gruppe war außergewöhnlich.

100 % Anwesenheitspflicht.

Sieben Monate Ausbildung.

Acht Wochenenden.

Niemand hat aufgegeben.

Das allein sagt schon viel.

Aber was diese Gruppe besonders gemacht hat, war etwas anderes:

Jeder war da, wirklich da.

Kein Zynismus, keine Selbstdarsteller, kein „ich weiß eh alles“.

Echtes Interesse, ehrliche Gespräche und Menschlichkeit.


Besonders bedanken möchte ich mich bei meinen beiden Sitznachbarinnen Melli und Blümchen.

Fachlicher Austausch. Humor. Die notwendige Hetz zwischendurch.

Und insgesamt acht Wochenenden direkt nebeneinander.

Das schweißt zusammen.

Und wir wissen jetzt voneinander, was wir wissen - und wie wir das anwenden.


Respekt geht auch raus an alle anderen TeilnehmerInnen.

Diese Gruppe war besonders.

Ich werde die Wochenenden nicht aktiv vermissen.

Aber ich freue mich jetzt schon darauf, viele davon bei der KI-Tagung im September wiederzusehen.


Warum passt das perfekt zu einfach.mike?

Weil mein einfach.machen nie bedeutet hat: „Ich erkläre dir die Welt.“

Es steht für: Ich gehe mit Menschen durch schwierige Situationen.

Das tue ich in Coachings.

Das tue ich bei Unternehmen.

Das tue ich in Konflikten.


Und künftig auch in Kriseneinsätzen.

Immer geht es um dasselbe:

Menschen wieder handlungsfähig machen.

Klarheit schaffen, Ruhe hineinbringen, da sein.


Und genau deshalb fühlt sich dieser Weg für mich extrem richtig an.


„Aus Liebe zum Menschen“ klingt kitschig.

Bis du verstehst, was dahinter steckt.

Das Motto des Roten Kreuzes lautet „Aus Liebe zum Menschen“.

Ganz ehrlich? Früher fand ich das fast ein bisschen zu groß formuliert.

Heute sehe ich das anders.


Denn wenn du freiwillig deine Wochenenden opferst, Prüfungen machst, lernst und dich bewusst mit menschlichen Ausnahmezuständen beschäftigst, dann passiert das nicht wegen Geld.

Dann passiert das aus einer Haltung.

Und genau von diese Haltung brauchen wir gesellschaftlich dringend mehr.


Fazit: Die wirklich wichtigen Dinge fühlen sich selten bequem an.

die wirklich wichtigen Dinge sind keine Dinge.

Die Ausbildung war intensiv, zeitaufwendig, emotional fordernd.

Aber genau dort entsteht oft Sinn.

Jetzt beginnt die Praxisphase.

Und ich hoffe sehr, dass wir uns danach noch genauso ehrlich in die Augen schauen können wie heute.


Dass wir guten Gewissens Dienst machen dürfen.

Für Menschen, die uns wirklich brauchen.

Und genau darum geht’s am Ende vielleicht sowieso:

Etwas Sinnvolles tun.

Mit Menschen.

Für Menschen.


Du willst dich auch ehrenamtlich beim Roten Kreuz engagieren?

Es gibt viele Möglichkeiten, schau einfach mal rein:

2 Kommentare

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Nadja
12. Mai
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Danke, dass du das so in Worte gefasst hast. Und danke für die tolle Zeit in der Ausbildung - jede Begegnung in dieser Gruppe war wertvoll. Und ja, neben all den schweren Themen hatten wir eine tolle Zeit, waren füreinander da und haben Menschlichkeit gespürt. einfach.schön 🤍

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Gast
12. Mai
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

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